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Nierentumoren, maligne

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Nierentumoren, maligne: Diagnose

Nierenzellkarzinom

Inzidenz (Österreich), Prognose, Symptome

In Österreich kommt das Nierenzellkarzinom in einer Häufigkeit von 8-9/100 000 Einwohner vor. Die Mortalität liegt bei 4,4/100 000. Männer sind häufiger betroffen als Frauen und der Altersgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.

Das 5-Jahres-Überleben ist sehr stark von Tumorgröße und Infiltration benachbarter Strukturen abhängig (Tabelle 1). Abgesehen von dieser tumorspezifischen Einteilung unterscheidet man im Stadium der Metastasierung weitere Prognosegruppen nach MSKCC-Kriterien (nach Motzer et al, J Clin Oncol 2002) (Tabelle 2), deren medianes Überleben je nach Zahl der Risikopunkte zwischen 4 und 20 Monaten liegt.

 

Die klassische Trias Flankenschmerzen, Hämaturie und palpable Tumormasse ist heute seltener als früher die zur Diagnose führende Symptomatik. Bei ungefähr der Hälfte der Patienten wird das Nierenzellkarzinom zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Unspezifische Symptome sind Müdigkeit, Gewichtsverlust und Anämie.

 

Tabelle 1: Stadieneinteilung Nierenzellkarzinom
 

Stadium  
5-Jahres-Überleben
I

Tumor ≤7cm, auf Niere beschränkt

95%
II

Tumor >7cm, auf Niere beschränkt

88%
III

Tumor infiltriert Venen, Nebenniere, Gerota Faszie oder 1 regionärer Lymphknoten befallen

59%
IV Tumor wächst über Gerota Faszie hinaus, mehr als 1 regionärer Lymphknoten befallen
20%


Tabelle 2: Risiko-Gruppen nach Motzer im Stadium der Metastasierung

 

Risikokriterium

Zeit vom Primärtumor bis zum Auftreten der Metastasen <1 Jahr

 

Schlechter Performance-Status

 

niedriges Hämoglobin (< unterer Normwert)

 

hohes korrigiertes Kalzium (>10mg/dl)

 

hohe LDH (>1,5x oberer Normwert)

Risikopunkte:

medianes Überleben

0

30 Monate

1 oder 2

14 Monate

3 oder mehr 5 Monate

Pathogenese, histologische Typen

Beim Nierenzellkarzinom werden verschiedene histologische Subtypen unterschieden, die in unterschiedlicher Häufigkeit vorkommen und durch jeweils andere Gendefekte gekennzeichnet sind (Tabelle 3).

 

Der mit Abstand häufigste Typ ist das klarzellige Nierenzellkarzinom (75%), das durch eine Mutation des VHL-Tumorsuppressor-Gens gekennzeichnet ist. Das hereditäre klarzellige Nierenzellkarzinom ist Bestandteil eines familiären Krebssyndroms, das auch andere Tumore, wie Hämangioblastome des ZNS, Phäochromozytome und Retinaangiome beinhaltet. Das „Von-Hippel-Lindau-Syndrom“ wird autosomal dominant vererbt und ist durch einen Defekt des VHL-Tumorsuppressor-Gens gekennzeichnet. Auch bei den sporadischen klarzelligen Nierenzellkarzinomen liegt in der überwiegenden Zahl der Fälle ein Defekt des VHL-Gens vor. Das Genprodukt des VHL-Gens ist ein Protein, welches für die Degradation von HIF-alpha (Hypoxia-inducible factor alpha) zuständig ist. Im Falle eines Defektes des VHL-Gens akkumuliert HIF-alpha, dimerisiert mit HIF-beta und transloziert in den Nukleus, wo es zur Transkription von Genen kommt, die das Tumorwachstum fördern (Details siehe auch Abschnitt „zielgerichtete Therapien“).

 

Der zweithäufigste Typ des Nierenzellkarzinoms ist der papilläre Subtyp (12%). Dieser metastasiert weniger häufig als der klarzellige, hat aber, wenn es doch zur Metastasierung kommt, eine schlechtere Prognose. Beim papillären Nierenzellkarzinom liegt zumeist eine Diploidie von Chromosom 7 vor. Dieses Chromosom ist für das MET-proto-Onkogen verantwortlich. Es werden 2 Typen von papillärem Nierenzellkarzinom unterschieden, wobei Typ 2 eine schlechtere Prognose hat.

 

Das chromophobe Nierenzellkarzinom kommt in etwa 5% der Nierenzellkarzinom-Fälle vor und hat, sofern das Stadium zum Zeitpunkt der chirurgischen Entfernung des Primums nicht zu weit fortgeschritten ist, eine gute Langzeitprognose.

 

In weniger als 1% der Fälle wird ein Ductus-Bellini-Karzinom diagnostiziert, welches mit einer äußerst schlechten Prognose assoziiert ist. Ductus-Bellini-Karzinome sprechen zu keinem Zeitpunkt auf Immuntherapie an. Am ehesten noch ist - aufgrund der Ähnlichkeit zu Urothelkarzinomen - ein vorübergehendes Ansprechen auf Chemotherapie zu erwarten.

 

Tabelle 3: Histologische Typen des Nierenzellkarzinoms, Gendefekte

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Histologie Häufigkeit (%) Involviertes Gen
Klarzell 75% VHL-Suppressor-Gen
Papillär 1 Gesamt: 12% C-Met-Onkogen
Papillär 2 Fumarat-Hydratase-Gen
Chromophob 5% Birt-Hogg-Dube(BHD)-Gen
Ductus Bellini <1% -
Unklassifiziert 3-5% -
Onkozytom 4% Birt-Hogg-Dube(BHD)-Gen
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